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Kastration Rüde/Hündin

Die Kastration ist eine sehr häufige in der Tierarztpraxis durchgeführte Operation. Wir möchten Ihnen mit unseren Erklärungen eine Hilfestellung bieten, um sich umfassend über die Kastration zu informieren, da gerade dieses Thema heiß diskutiert wird.
Als erstes möchten wir zwei verschiedene Begriffe erläutern:

  • 1. Kastration: Operatives Entfernen der Keimdrüsen (beim weiblichen Tier der Eierstöcke mit oder ohne Gebärmutter, beim männlichen Tier der Hoden). Die Rüden stellen ihren Sexualtrieb üblicherweise ein und die Hündin wird nicht mehr läufig.
  • 2. Sterilisation: Abbinden der keimleitenden Wege (beim weiblichen Tier der Eileiter und beim männlichen Tier der Samenleiter). Der Sexualtrieb bleibt erhalten, die Tiere sind jedoch nicht mehr fortpflanzungsfähig. D.h. der Rüde ist weiterhin an Hündinnen interessiert, kann jedoch keine Nachkommen mehr zeugen. Die Hündin wird weiter läufig, kann jedoch keine Welpen mehr bekommen. In der Tiermedizin wird sowohl bei den Katzen als auch bei den Hunden üblicherweise eine Kastration durchgeführt.

Der Rüde wird meist zwischen dem 8. und 10. Monat geschlechtsreif. Dies kann sich durch „rowdyhaftes“ Verhalten mit mangelndem Gehorsam, Unruhe und dem Drang abzuhauen, zeigen. Teilweise leiden die Rüden wenn läufige Hündinnen in der Nähe sind, nehmen ab oder verweigern das Futter ganz. Auseinandersetzungen mit anderen Rüden („Rangordnungskämpfe“) können zu schlimmen Bissverletzungen führen.

 

Vorteile der Kastration:

  • 1. Krankheitsvorsorge bzw. Behandlung
    Die Hoden sind entfernt, demzufolge bekommt der Rüde keine Hodentumore mehr. Auch weitere hormonabhängige Erkrankungen wie Prostatavergrößerung, Dammbruch und das Auftreten der rund um den After wachsenden Tumore wird vermieden bzw. das Risiko drastisch reduziert.
  • 2. Verhaltensänderungen
    Das normale Verhalten ändert sich meist nicht. Hormonell bedingte Aggressivität gegenüber anderen Hunden wird verhindert bzw. abgeschwächt. Allerdings sollte in solchen Fällen die Kastration möglichst schnell durchgeführt werden, da sich ansonsten diese Verhaltensweise festigt und dann nicht mehr von den Männlichkeitshormonen abhängt. Idealerweise sollte in diesen Fällen nach der Kastration eine Verhaltenstherapie durchgeführt werden.

Nachteile der Kastration:

  • 1. Gewichtszunahme: Die landläufige Meinung, dass kastrierte Tiere dick werden, ist falsch! Jedoch zeigen manche Tiere durch den Wegfall der Sexualaktivität ein größeres Interesse an der Futteraufnahme. Sie sollten dem eventuell vermehrtem Betteln der Tiere nicht nachgeben, denn Sie als Besitzer haben das Gewicht ihrer Tiere in der Hand!
  • 2. Operation: die Kastration ist für einen geübten Chirurgen ein leichter Eingriff, die modernen Narkoseverfahren und die Überwachungsmöglichkeiten während der Operation haben die Komplikationsrate bei gesunden Tieren fast gegen Null bewegt. Nachteilig für den Besitzer ist der Kostenfaktor. Sie sollten jedoch bei Preisvergleichen beachten, dass eine höhere Sicherheit für ihr Tier (z.B. Venenzugang, Inhalationsnarkose) und eine hohe Qualität ihren Preis hat und die Nachsorge (Kontrolle, Fäden ziehen) enthalten sein sollte.

Die Hündin wird je nach Größe zwischen dem 6. (kleine Hündin) und dem 23. Monat (große Hündin) läufig. Meist werden die Hündinnen zweimal im Jahr, d.h. alle 6 Monate läufig. Allerdings gibt es auch individuelle Unterschiede, so dass manche Hündinnen nur einmal im Jahr oder aber auch alle 5 Monate läufig werden. Die Läufigkeit dauert üblicherweise 3 Wochen und meist sind die Hündinnen zwischen dem 10. und 14. Tag der Läufigkeit deckbereit. Typische Anzeichen für die Deckbereitschaft sind: Unruhe, manchmal mangelnder Gehorsam, Versuch „auszubüchsen“ um einen passenden Rüden zu finden. Danach beginnt, ganz gleich ob die Hündin gedeckt worden ist oder nicht, der für eine Trächtigkeit typische Hormonverlauf. Aus diesem Grund werden viele Hündinnen nach der normalen Trächtigkeitszeit (ca. 63 Tage) scheinträchtig. Sie zeigen dann ein angebildetes Gesäuge, teilweise Milchfluss, bauen Nester, sammeln und hüten Stofftiere, aber auch Schuhe, Kleidungsstücke als Ersatz für die nicht vorhandenen Welpen. Manche Hündinnen leiden stark unter diesem hormongeprägtem Verhalten und ziehen sich sehr zurück und verweigern das Fressen. Dieses in der heutigen Zeit scheinbar unangemessenes Verhalten stammt vom Wolf ab, zu dieser Zeit bekam nur die ranghöchste Wölfin Welpen, aber alle anderen weiblichen Tiere des Rudels kümmerten sich mit um den Nachwuchs und säugten diesen auch.

 

Vorteile der Kastration:

  • 1. Krankheitsvorsorge bzw. Behandlung
    Die Kastration schützt die Hündin vor dem Auftreten von meist bösartigen Gesäugetumoren. Wichtig ist allerdings der Zeitpunkt der Kastration: die Hündin sollte vor der ersten bzw. vor der zweiten Läufigkeit kastriert werden, damit das Risiko von Gesäugetumoren stark gesenkt wird. Die Kastration nach der zweiten Läufigkeit hat keinen vorbeugenden Effekt mehr! Weiterhin treten nach der Kastration keine Tumore mehr an den entfernten Organen (Eierstöcke, Gebärmutter) auf.
    Nach der Kastration gibt es keine Scheinschwangerschaft mehr, da die Hündin die dafür nötigen Hormone nicht mehr besitzt. Wird die Hündin häufig scheinschwanger, so steigt das Risiko, dass die Hündin an Gesäugetumoren erkrankt und bereits vorhandene Gesäugetumore zeigen oft in diesen Phasen ein starkes Wachstum.
    Bei älteren unkastrierten Hündinnen treten häufiger Gebärmutterentzündungen auf. Dies fällt dem Besitzer durch vermehrtes Trinken, apathisches Verhalten und eitrigen Scheidenausfluss auf. Diese Erkrankung ist lebensgefährlich, da es zu einer Blutvergiftung, Bauchfellentzündung und zu einer Beeinträchtigung der Nieren kommen kann. In der Regel kann die Gebärmuttervereiterung nur durch eine Totaloperation geheilt werden.
  • 2. Verhinderung der Trächtigkeit
    Die Kastration ist die zuverlässigste Methode um eine Trächtigkeit zu verhindern. Sie müssen keine Angst vor Trächtigkeit mehr haben, wenn ihre Hündin zufälligerweise ausbüchst und auch Urlaube/Spieltreffen mit anderen Hunden sind durch eine Läufigkeit nicht mehr gefährdet. Es besteht zwar die Möglichkeit, durch Hormone die Läufigkeit zu unterdrücken bzw. die Trächtigkeit abzubrechen, allerdings geht das mit einem stark erhöhten Risiko von Gebärmutterentzündungen und Eierstockszysten einher!

Nachteile der Kastration

  • 1. Harninkontinenz: Große Hündinnen (über 20 kg) neigen im Alter eher zur Inkontinenz (Urinträufeln) als kleine Hündinnen. Nach der Kastration steigt das Risiko etwas an, lässt sich jedoch meist mit Medikamenten gut in Griff bekommen.
  • 2. Haarkleidveränderungen: Bei manchen langhaarigen Hündinnen (z.B. Irish Setter, kl. Münsterländer, Langhaardackel, Cocker Spaniel) kommt es nach der Kastration zur Ausbildung eines sogenannten Babyfells: das Fell wird weicher und flauschiger.
  • 3. Gewichtszunahme: s. Kastration Rüde
  • 4. Operation: s. Kastration Rüde

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